Ein gesunder Lavendel muss nicht jedes Jahr neu gekauft werden. Aus wenigen jungen Trieben lassen sich mit überschaubarem Aufwand kräftige Jungpflanzen ziehen, wenn Schnittzeitpunkt, Substrat und Feuchtigkeit stimmen. Ich zeige, wie Sie Lavendel-Stecklinge schneiden, bewurzeln, richtig pflegen und typische Fehler vermeiden.
Mit diesen Bedingungen gelingt die Vermehrung zuverlässig
- Beste Zeit: spätes Frühjahr oder Spätsommer, wenn die Triebe noch nicht stark verholzt sind.
- Stecklingslänge: etwa 8 bis 10 Zentimeter, möglichst ohne Blütenansatz.
- Substrat: lockere, magere Anzuchterde mit Sand oder Perlite verhindert Staunässe.
- Standort: hell, warm und geschützt, aber zunächst ohne pralle Mittagssonne.
- Bewurzelung: meist nach 4 bis 8 Wochen, abhängig von Sorte, Wärme und Pflege.

Der richtige Zeitpunkt entscheidet über den Erfolg
Am einfachsten bewurzeln Stecklinge aus jungen, leicht verholzten Trieben. Geeignet sind vor allem das späte Frühjahr und der Spätsommer. Im Frühjahr wachsen die Pflanzen besonders aktiv, während sich nach dem Rückschnitt im Spätsommer oft ebenfalls brauchbares Material findet.
Ich würde nicht warten, bis der Lavendel vollständig blüht oder die Triebe hart und grau verholzt sind. Solche Stücke bilden deutlich langsamer Wurzeln. Schneiden Sie lieber einen gesunden Seitentrieb ohne Blüten oder mit nur sehr kleinem Blütenansatz von einer kräftigen Mutterpflanze ab.
Welche Triebe geeignet sind
- kräftige, unverletzte Triebe ohne braune Stellen
- etwa 8 bis 10 Zentimeter lang
- unterhalb eines Blattknotens geschnitten
- noch grün bis leicht verholzt, aber nicht spröde
- ohne Blüten, da die Pflanze sonst unnötig Energie in die Blüte investiert
Sehr alte Äste aus dem inneren, kahlen Bereich eignen sich schlecht. Lavendel treibt aus stark verholzten Stellen nur unzuverlässig wieder aus. Genau hier überschätzen viele die Robustheit der Pflanze.
Lavendel-Stecklinge richtig schneiden und vorbereiten
Verwenden Sie eine scharfe, saubere Schere, damit der Trieb nicht gequetscht wird. Entfernen Sie die unteren Blätter auf einer Länge von ungefähr 3 bis 4 Zentimetern. Dieser kahle Abschnitt kommt später in die Erde.
Der Schnitt sollte knapp unter einem Blattknoten liegen. Dort sitzen besonders viele teilungsfähige Zellen, aus denen sich leichter neue Wurzeln entwickeln. Die oberen Blätter bleiben am Steckling, allerdings sollten sehr große Blätter bei Bedarf um etwa ein Drittel gekürzt werden.
Bewurzelungspulver ist kein Muss
Ein Bewurzelungspulver kann den Start unterstützen, ist bei Lavendel aber normalerweise nicht zwingend notwendig. Entscheidend sind nach meiner Erfahrung ein luftiges Substrat und gleichmäßige Feuchtigkeit. Zu viel Pulver ersetzt keine gute Pflege und kann bei falscher Dosierung sogar die Schnittstelle reizen.
Stecken Sie den vorbereiteten Trieb höchstens wenige Zentimeter tief in die Erde. Drücken Sie das Substrat vorsichtig an, damit der Steckling stabil steht, ohne den Stängel zu quetschen.
Das passende Substrat und die Pflege in den ersten Wochen
Lavendelstecklinge brauchen kein nährstoffreiches Pflanzsubstrat. Eine Mischung aus zwei Teilen Anzuchterde und einem Teil Sand oder Perlite ist gut geeignet. Sie bleibt locker und lässt überschüssiges Wasser ablaufen.
Ein kleiner Topf mit Abzugsloch reicht aus. Mehrere Stecklinge können zunächst gemeinsam in eine Schale gesetzt werden, sollten sich aber nicht berühren. So trocknen die Blätter nach dem Gießen schneller ab und Pilzkrankheiten haben weniger Chancen.
Wasser, Licht und Luft
- Substrat nach dem Einsetzen leicht anfeuchten, aber nicht durchnässen.
- Erst gießen, wenn die Oberfläche leicht abgetrocknet ist.
- Hell und warm bei ungefähr 18 bis 22 °C aufstellen.
- Direkte Mittagssonne in den ersten Wochen vermeiden.
- Eine Abdeckung nur mit Luftlöchern verwenden und regelmäßig lüften.
Eine hohe Luftfeuchtigkeit hilft beim Anwachsen, doch ein dauerhaft nasser Topf ist der häufigste Fehler. Die Stecklinge haben noch keine Wurzeln und können Wasser nur begrenzt aufnehmen. Gleichzeitig fault die Schnittstelle schnell, wenn sie ständig nass steht.
Ich kontrolliere nicht täglich durch Ziehen am Trieb, ob sich Wurzeln gebildet haben. Dabei können junge Wurzeln abreißen. Nach etwa 4 bis 8 Wochen zeigt sich meist neuer Austrieb oder ein sanfter Widerstand, wenn der Steckling vorsichtig bewegt wird.
Erde oder Wasserglas als Bewurzelungsmethode
Die Bewurzelung direkt in Erde ist für Lavendel meist die bessere Wahl. Die Wurzeln passen sich sofort an das spätere Wachstumssubstrat an und müssen nicht erst von Wasser auf Erde umgestellt werden.
| Methode | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Anzuchterde | stabile Wurzeln, direktes Weiterkultivieren möglich | Wurzelbildung ist von außen zunächst nicht sichtbar |
| Wasserglas | Wurzeln lassen sich gut beobachten | Wurzeln sind oft empfindlicher und brechen beim Einpflanzen leichter |
Ein Wasserglas funktioniert grundsätzlich, besonders bei sehr frischen Trieben. Ich würde diese Variante aber eher zum Beobachten oder für einen einzelnen Versuch nutzen. Für mehrere Jungpflanzen ist lockere Erde praktischer und führt meist zu weniger Problemen beim späteren Topfen.
Nach der Bewurzelung richtig weiterpflegen
Sobald sich mehrere Wurzeln gebildet haben oder der Steckling sichtbar weiterwächst, setzen Sie jedes Pflänzchen in einen eigenen Topf. Verwenden Sie weiterhin ein durchlässiges, eher mageres Substrat, denn junge Lavendelpflanzen reagieren empfindlich auf Staunässe und übermäßige Düngung.
Gewöhnen Sie die Jungpflanzen langsam an mehr Licht. Stellen Sie sie zunächst an einen hellen, geschützten Platz und erhöhen Sie die Sonnenmenge über etwa eine Woche. Ein abrupter Wechsel vom geschützten Anzuchtplatz in die pralle Sonne kann zu Blattverbrennungen führen.
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Wann dürfen die Pflanzen ins Beet
Kräftige Jungpflanzen können im Frühjahr ins Beet gesetzt werden, sobald keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Haben sie im Spätsommer Wurzeln gebildet, überwintern sie besser zunächst hell und frostfrei oder sehr geschützt im Topf.
Der spätere Standort sollte sonnig, warm und gut drainiert sein. Schwere Gartenböden lockere ich vor dem Pflanzen mit Sand oder Splitt auf. Mehr Dünger macht Lavendel nicht automatisch kräftiger, sondern fördert oft weiches, wenig widerstandsfähiges Wachstum.
Diese Fehler bremsen die Wurzelbildung
- Blühende Triebe verwenden: Die Pflanze konzentriert ihre Energie dann auf Blüten statt auf Wurzeln.
- Zu tief pflanzen: Ein langer, begrabener Stängel fault leichter.
- Staunässe zulassen: Fehlende Wurzeln und nasse Erde sind eine ungünstige Kombination.
- In alte Holzpartien schneiden: Stark verholzte Lavendelzweige treiben oft nicht mehr zuverlässig aus.
- Zu früh düngen: In den ersten Wochen brauchen Stecklinge vor allem Ruhe und Feuchtigkeit.
- Ungefilterte Sonne: Die Blätter verlieren ohne Wurzeln schneller Wasser, als der Steckling nachliefern kann.
Auch Ungeduld kostet häufig Pflanzen. Wenn nach drei Wochen noch keine Wurzeln sichtbar sind, bedeutet das nicht automatisch, dass der Versuch gescheitert ist. Entscheidend sind ein frischer, grüner Trieb und eine Schnittstelle ohne Fäulnis.
Mit wenigen Stecklingen zu einem dichten Lavendelbestand
Für einen kleinen Bestand reichen meist fünf bis zehn Stecklinge, weil nicht jeder Trieb gleich schnell anwächst. Schneiden Sie lieber mehrere gesunde Stücke und sortieren Sie später schwache oder verfaulten Exemplare aus.
Wer eine niedrige Beetkante oder eine lockere Reihe anlegen möchte, sollte die Jungpflanzen erst kräftig durchwurzeln lassen und mit ungefähr 30 bis 40 Zentimetern Abstand pflanzen. So bekommen sie ausreichend Licht und trocknen nach Regen schneller ab.
Mein wichtigster Rat bleibt schlicht: Nehmen Sie junge Triebe, halten Sie die Erde nur leicht feucht und lassen Sie den Stecklingen Zeit. Unter diesen Bedingungen ist die vegetative Vermehrung nicht nur günstig, sondern auch die zuverlässigste Möglichkeit, die Eigenschaften einer bewährten Mutterpflanze zu erhalten.