Lavendel-Stecklinge ziehen und richtig bewurzeln

Marianne Krämer .

1. Mai 2026

Hand pflanzt Lavendel Stecklinge in Erde. Sprühflasche daneben.

Ein gesunder Lavendel muss nicht jedes Jahr neu gekauft werden. Aus wenigen jungen Trieben lassen sich mit überschaubarem Aufwand kräftige Jungpflanzen ziehen, wenn Schnittzeitpunkt, Substrat und Feuchtigkeit stimmen. Ich zeige, wie Sie Lavendel-Stecklinge schneiden, bewurzeln, richtig pflegen und typische Fehler vermeiden.

Mit diesen Bedingungen gelingt die Vermehrung zuverlässig

  • Beste Zeit: spätes Frühjahr oder Spätsommer, wenn die Triebe noch nicht stark verholzt sind.
  • Stecklingslänge: etwa 8 bis 10 Zentimeter, möglichst ohne Blütenansatz.
  • Substrat: lockere, magere Anzuchterde mit Sand oder Perlite verhindert Staunässe.
  • Standort: hell, warm und geschützt, aber zunächst ohne pralle Mittagssonne.
  • Bewurzelung: meist nach 4 bis 8 Wochen, abhängig von Sorte, Wärme und Pflege.

Kleine Lavendelstecklinge in Terrakotta-Töpfen, bereit zum Wachsen. Beschriftet mit

Der richtige Zeitpunkt entscheidet über den Erfolg

Am einfachsten bewurzeln Stecklinge aus jungen, leicht verholzten Trieben. Geeignet sind vor allem das späte Frühjahr und der Spätsommer. Im Frühjahr wachsen die Pflanzen besonders aktiv, während sich nach dem Rückschnitt im Spätsommer oft ebenfalls brauchbares Material findet.

Ich würde nicht warten, bis der Lavendel vollständig blüht oder die Triebe hart und grau verholzt sind. Solche Stücke bilden deutlich langsamer Wurzeln. Schneiden Sie lieber einen gesunden Seitentrieb ohne Blüten oder mit nur sehr kleinem Blütenansatz von einer kräftigen Mutterpflanze ab.

Welche Triebe geeignet sind

  • kräftige, unverletzte Triebe ohne braune Stellen
  • etwa 8 bis 10 Zentimeter lang
  • unterhalb eines Blattknotens geschnitten
  • noch grün bis leicht verholzt, aber nicht spröde
  • ohne Blüten, da die Pflanze sonst unnötig Energie in die Blüte investiert

Sehr alte Äste aus dem inneren, kahlen Bereich eignen sich schlecht. Lavendel treibt aus stark verholzten Stellen nur unzuverlässig wieder aus. Genau hier überschätzen viele die Robustheit der Pflanze.

Lavendel-Stecklinge richtig schneiden und vorbereiten

Verwenden Sie eine scharfe, saubere Schere, damit der Trieb nicht gequetscht wird. Entfernen Sie die unteren Blätter auf einer Länge von ungefähr 3 bis 4 Zentimetern. Dieser kahle Abschnitt kommt später in die Erde.

Der Schnitt sollte knapp unter einem Blattknoten liegen. Dort sitzen besonders viele teilungsfähige Zellen, aus denen sich leichter neue Wurzeln entwickeln. Die oberen Blätter bleiben am Steckling, allerdings sollten sehr große Blätter bei Bedarf um etwa ein Drittel gekürzt werden.

Bewurzelungspulver ist kein Muss

Ein Bewurzelungspulver kann den Start unterstützen, ist bei Lavendel aber normalerweise nicht zwingend notwendig. Entscheidend sind nach meiner Erfahrung ein luftiges Substrat und gleichmäßige Feuchtigkeit. Zu viel Pulver ersetzt keine gute Pflege und kann bei falscher Dosierung sogar die Schnittstelle reizen.

Stecken Sie den vorbereiteten Trieb höchstens wenige Zentimeter tief in die Erde. Drücken Sie das Substrat vorsichtig an, damit der Steckling stabil steht, ohne den Stängel zu quetschen.

Das passende Substrat und die Pflege in den ersten Wochen

Lavendelstecklinge brauchen kein nährstoffreiches Pflanzsubstrat. Eine Mischung aus zwei Teilen Anzuchterde und einem Teil Sand oder Perlite ist gut geeignet. Sie bleibt locker und lässt überschüssiges Wasser ablaufen.

Ein kleiner Topf mit Abzugsloch reicht aus. Mehrere Stecklinge können zunächst gemeinsam in eine Schale gesetzt werden, sollten sich aber nicht berühren. So trocknen die Blätter nach dem Gießen schneller ab und Pilzkrankheiten haben weniger Chancen.

Wasser, Licht und Luft

  • Substrat nach dem Einsetzen leicht anfeuchten, aber nicht durchnässen.
  • Erst gießen, wenn die Oberfläche leicht abgetrocknet ist.
  • Hell und warm bei ungefähr 18 bis 22 °C aufstellen.
  • Direkte Mittagssonne in den ersten Wochen vermeiden.
  • Eine Abdeckung nur mit Luftlöchern verwenden und regelmäßig lüften.

Eine hohe Luftfeuchtigkeit hilft beim Anwachsen, doch ein dauerhaft nasser Topf ist der häufigste Fehler. Die Stecklinge haben noch keine Wurzeln und können Wasser nur begrenzt aufnehmen. Gleichzeitig fault die Schnittstelle schnell, wenn sie ständig nass steht.

Ich kontrolliere nicht täglich durch Ziehen am Trieb, ob sich Wurzeln gebildet haben. Dabei können junge Wurzeln abreißen. Nach etwa 4 bis 8 Wochen zeigt sich meist neuer Austrieb oder ein sanfter Widerstand, wenn der Steckling vorsichtig bewegt wird.

Erde oder Wasserglas als Bewurzelungsmethode

Die Bewurzelung direkt in Erde ist für Lavendel meist die bessere Wahl. Die Wurzeln passen sich sofort an das spätere Wachstumssubstrat an und müssen nicht erst von Wasser auf Erde umgestellt werden.

Methode Vorteile Nachteile
Anzuchterde stabile Wurzeln, direktes Weiterkultivieren möglich Wurzelbildung ist von außen zunächst nicht sichtbar
Wasserglas Wurzeln lassen sich gut beobachten Wurzeln sind oft empfindlicher und brechen beim Einpflanzen leichter

Ein Wasserglas funktioniert grundsätzlich, besonders bei sehr frischen Trieben. Ich würde diese Variante aber eher zum Beobachten oder für einen einzelnen Versuch nutzen. Für mehrere Jungpflanzen ist lockere Erde praktischer und führt meist zu weniger Problemen beim späteren Topfen.

Nach der Bewurzelung richtig weiterpflegen

Sobald sich mehrere Wurzeln gebildet haben oder der Steckling sichtbar weiterwächst, setzen Sie jedes Pflänzchen in einen eigenen Topf. Verwenden Sie weiterhin ein durchlässiges, eher mageres Substrat, denn junge Lavendelpflanzen reagieren empfindlich auf Staunässe und übermäßige Düngung.

Gewöhnen Sie die Jungpflanzen langsam an mehr Licht. Stellen Sie sie zunächst an einen hellen, geschützten Platz und erhöhen Sie die Sonnenmenge über etwa eine Woche. Ein abrupter Wechsel vom geschützten Anzuchtplatz in die pralle Sonne kann zu Blattverbrennungen führen.

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Wann dürfen die Pflanzen ins Beet

Kräftige Jungpflanzen können im Frühjahr ins Beet gesetzt werden, sobald keine starken Fröste mehr zu erwarten sind. Haben sie im Spätsommer Wurzeln gebildet, überwintern sie besser zunächst hell und frostfrei oder sehr geschützt im Topf.

Der spätere Standort sollte sonnig, warm und gut drainiert sein. Schwere Gartenböden lockere ich vor dem Pflanzen mit Sand oder Splitt auf. Mehr Dünger macht Lavendel nicht automatisch kräftiger, sondern fördert oft weiches, wenig widerstandsfähiges Wachstum.

Diese Fehler bremsen die Wurzelbildung

  • Blühende Triebe verwenden: Die Pflanze konzentriert ihre Energie dann auf Blüten statt auf Wurzeln.
  • Zu tief pflanzen: Ein langer, begrabener Stängel fault leichter.
  • Staunässe zulassen: Fehlende Wurzeln und nasse Erde sind eine ungünstige Kombination.
  • In alte Holzpartien schneiden: Stark verholzte Lavendelzweige treiben oft nicht mehr zuverlässig aus.
  • Zu früh düngen: In den ersten Wochen brauchen Stecklinge vor allem Ruhe und Feuchtigkeit.
  • Ungefilterte Sonne: Die Blätter verlieren ohne Wurzeln schneller Wasser, als der Steckling nachliefern kann.

Auch Ungeduld kostet häufig Pflanzen. Wenn nach drei Wochen noch keine Wurzeln sichtbar sind, bedeutet das nicht automatisch, dass der Versuch gescheitert ist. Entscheidend sind ein frischer, grüner Trieb und eine Schnittstelle ohne Fäulnis.

Mit wenigen Stecklingen zu einem dichten Lavendelbestand

Für einen kleinen Bestand reichen meist fünf bis zehn Stecklinge, weil nicht jeder Trieb gleich schnell anwächst. Schneiden Sie lieber mehrere gesunde Stücke und sortieren Sie später schwache oder verfaulten Exemplare aus.

Wer eine niedrige Beetkante oder eine lockere Reihe anlegen möchte, sollte die Jungpflanzen erst kräftig durchwurzeln lassen und mit ungefähr 30 bis 40 Zentimetern Abstand pflanzen. So bekommen sie ausreichend Licht und trocknen nach Regen schneller ab.

Mein wichtigster Rat bleibt schlicht: Nehmen Sie junge Triebe, halten Sie die Erde nur leicht feucht und lassen Sie den Stecklingen Zeit. Unter diesen Bedingungen ist die vegetative Vermehrung nicht nur günstig, sondern auch die zuverlässigste Möglichkeit, die Eigenschaften einer bewährten Mutterpflanze zu erhalten.

Häufig gestellte Fragen

Am besten eignen sich das späte Frühjahr und der Spätsommer. Schneiden Sie junge, grüne bis leicht verholzte Seitentriebe von etwa 8 bis 10 Zentimetern Länge, möglichst ohne Blütenansatz. Stark verholzte oder spröde Triebe bewurzeln deutlich unzuverlässiger.
Geeignet ist eine lockere Mischung aus zwei Teilen Anzuchterde und einem Teil Sand oder Perlite. Ein kleiner Topf mit Abzugsloch verhindert Staunässe. Das Substrat sollte leicht feucht, aber niemals dauerhaft nass sein.
Stellen Sie die Stecklinge hell, warm und geschützt bei ungefähr 18 bis 22 °C auf, zunächst ohne pralle Mittagssonne. Gießen Sie erst, wenn die Oberfläche leicht abgetrocknet ist. Eine Abdeckung kann die Luftfeuchtigkeit erhöhen, muss aber Luftlöcher haben und regelmäßig gelüftet werden.
Nach etwa 4 bis 8 Wochen zeigen sich meist neuer Austrieb oder ein sanfter Widerstand beim vorsichtigen Bewegen. Dann setzen Sie die Pflanzen einzeln in durchlässiges, mageres Substrat und gewöhnen sie langsam an mehr Licht. Ins Beet dürfen kräftige Jungpflanzen im Frühjahr, sobald keine starken Fröste mehr zu erwarten sind.
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Autor Marianne Krämer
Marianne Krämer
Mein Name ist Marianne Krämer und seit 12 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Themen Haus, Garten, Einrichtung und Technik. Diese Leidenschaft hat sich über die Jahre entwickelt, und ich liebe es, mein Wissen und meine Erfahrungen auf carportnord.de mit Ihnen zu teilen. Mein Ziel ist es, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären, praktische Tipps zu geben und Ihnen dabei zu helfen, fundierte Entscheidungen für Ihr Zuhause zu treffen. Dabei lege ich großen Wert darauf, Informationen gründlich zu recherchieren und die neuesten Trends im Blick zu behalten, damit Sie stets auf dem neuesten Stand sind und nützliche, verlässliche Ratschläge erhalten.
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